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Die „Rotalgenplage“ am Wörthersee – Der Umgang damit am Beispiel der Gemeinde Velden in den 1960ern Von Andreas Kleewein Vielen Menschen sind Algen als glitschig-grüne aber vor allem nicht sehr ansehnliche Masse bekannt. Eine Art, die zwar systematisch zu den Blaualgen zählt, jedoch eine rote Färbung hat, erlangte unliebsame Berühmtheit in vielen Kärntner Gewässern. Es handelt sich dabei um die Burgunderblutalge (Planktothrix rubescens) oder im Volksmund „Rotalge“ genannt . Die Namensgebung erklärt sich durch das in der Alge vorhandene rote Phycoerythrin, ein Pigment, dass für die Photosynthese notwendig ist. Dadurch kann die Alge auch in der Tiefe, wo nur mehr ganz wenig Licht das Wasser durchdringt, diesen natürlichen Farbstoff zur Energiegewinnung nutzen. Erstmals ist diese Algenart 1909 im Wörthersee aufgetreten . Doch schon in den 1930er Jahren kam es vermehrt zu Problemen mit den Algen: „Zu Beginn des Jahres [1933] übergibt die Bezirkshauptmannschaft Villach den Ufergemeinden des Wörthersees einen alarmierenden Bericht des Professors Dr. Ingo Findenegg in Klagenfurt bezüglich der Verunreinigung des Wörthersees durch die in das Seebecken geleiteten Abwässer. Durch die Verunreinigungen wird die Massenentwicklung von sogenannten Schwebepflanzen begünstigt, die den üblen Geruch des „Fischelns“ bedingen, überdies die Durchsichtigkeit des Wassers stark herabsetzen. Während vor Jahren die Sichttiefe mit wenigstens 6 m angenommen werden konnte, die im August bis zu 7 und 8 Metern stieg, hat sie sich im letzten Sommer dauernd unter 5 m gehalten. Wenn die Abfallstoffe weiterhin in den See geleitet werden sollten, wird dieser im Laufe der Zeit den Charakter von Teichwasser annehmen.“ . Der Grund für das damalige Massenauftreten war die nicht vorhandene Kanalisation. Jegliche Abwässer der umliegenden Häuser wurden in den See geleitet. Durch das höhere Gästeaufkommen im Sommertourismus, kam es auch zur Zunahme an Einträgen von Nährstoffen in das Wasser des Wörthersees, im Besonderen Stickstoff- und Phosphorverbindungen. Durch diesen Eintrag hatte die Burgunderblutalge optimale Entwicklungsbedingungen. Je nach Jahreszeit und Gewässertemperatur, halten sich die Burgunderblutalgen in unterschiedlichen Gewässertiefen auf. Im Frühling ist sie an der Wasseroberfläche anzutreffen, löst sich von dort ab Mai und ist dann etwas tiefer zwischen 10 und 15 Metern Tiefe in ihrer größten Ansammlung zu finden. Tauchern sind diese Bereiche als Schwebstoffschicht bekannt, unter der die Sicht auch am Tag nur mit Taschenlampen möglich ist. Da im Frühjahr noch keine bis kaum Gäste am Wörthersee waren, reagierte man, um die Optik der Seeoberfläche zu verbessern. In Velden am Wörther See ging man dabei in den 1960ern folgend vor: Durch den Ostwind und die dadurch hervorgerufenen Wellen trieb es die Algen von der Seemitte herein in die Veldener Bucht. Die Gemeinde Velden pumpte mit ihrem 86er Steyr Güllewagen die Algen aus der Ufernähe ab. Gemeindemitarbeiter wurden mit dem Abpumpen der Algen betraut. Hilfe kam auch außerhalb von Velden, durch große geeignete Güllewagen, da dieser Aufwand von der Gemeinde alleine nicht bewältigt werden konnte. Es dauerte einige Wochen bis die Algen entfernt waren, da man immer
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wieder warten musste, bis sie erneut vom Wind in die Bucht getrieben wurden. Entleert wurden die Wägen in die Schottergrube der Firma Bulfon, die sich auf der Fläche zwischen Neuer Mittelschule und der Landesstraße B83 befand. Später wurde die Grube wieder aufgefüllt und zu Bauland. Durch den Start des Ringkanalisationsbaus um den Wörthersee 1964, kam es zu deutlichen Verbesserungen der Wasserqualität. Noch Jahre danach, griffen die Medien trotzdem immer wieder die Thematik und das einstige Problem auf. In der Wochenschau vom 22. August 1976 wurde über die hohen Kosten des Kanalisationsbaus für die Seegemeinden und die Verschmutzung der Seen berichtet : „Direkte Verschmutzungen durch den Unrat der Vögel, achtlos weggeworfene Abfälle der Badegäste und – was man kaum für möglich halten möchte – durch den Harn, den die vielen Feriengäste direkt ins Wasser praktizieren, kommen noch dazu.“ Man führte natürlich auch die Algen an, die ebenfalls Grund für die gebaute Kanalisation waren: „Nicht allein der Schmutzgehalt des Wassers war ausschlaggebend für die Initiativen der Gemeinden, sondern auch der rapid zunehmende Algenwuchs im Wasser. So waren der Mondsee und der Wörthersee von den gefährlichen Rotalgen bereits zu einem beachtlichen Teil verseucht.“ Über die Erfolge und nunmehr sauberen Seen wusste auch Abgeordneter zum Nationalrat, Günther Wiesinger zu berichten: „Die Situation der österreichischen Seen hat sich in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert. Die Gefahr der Rotalgen konnte vollkommen beseitigt werden. Mondsee, Millstätter See, Wörthersee und Wolfgangsee sind wieder sauber.“   1. Gerhild Deisinger, Langzeitentwicklung der Cyanophyceen in einigen Kärntner Seen vor und nach der Sanierung. Carinthia II, Jg. 177./97., 1987, 101–129.  2. Ingo Findenegg, Vorkommen und biologisches Verhalten der Blaualge Oscillatoria rubescens D.C. in den österreichischen Alpenseen. Carinthia II, Jg. l63./83., 1973, 317–330.  3. Peter Günzl, Die Veldner Chronik 1850–1939. Velden am Wörther See 1983, 93.
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Abbildung 1